kauf-nix tag 2014

Fairkehr und ÖH Salzburg verteilen aus dem Müll gefischte Lebensmittel gratis an Passanten. Salzburger zeigen reges Interesse an den Lebensmitteln und an der Thematik, dass überproduzierte Lebensmittel massenweise aufgrund von Ablaufdatum oder verschlissener Verpackung weggeworfen werden.

Kaufnix Aktionstag 2014, dieses Jahr am 29. Dezember, gab Anlass im beginnenden Weihnachtskonsumrausch auf den Missstand der massenhaft in den Müll geworfenen Lebensmitteln hinzuweisen. Heuer wurden am Platzl und am Hanuschplatz insgesamt rund 200 kg Lebensmittel auf langen Tischen angeboten und gratis verteilt. In Österreich landen pro Jahr 96.000 Tonnen genießbarer Lebensmittel in der Mülltonne. Die meisten lediglich aufgrund von Ablaufdatum, mangelndem Lagerplatz oder leicht beschädigter Verpackung. Um auf diesen Missstand aufmerksam zu machen, haben wir die Lebensmittel verschenkt mit dem Hinweis, dass sowohl die Konzerne als auch wir als Verbraucher in der Pflicht sind, ein Umdenken bezüglich unseres täglichen Konsums einzuleiten.

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Parallel dazu fand zum zweiten Mal die Geschenkeparade statt. Mit Lastenrad und bepackt mit kleinen Geschenken und Geschenkpapier wurden die ersten gratis Weihnachtsgeschenke am alten Markt an Salzburger Passanten verteilt. Dafür wurden im Vorfeld gebrauchte Gegenstände gesammelt, die für die Vorbesitzer_In keine Verwendung mehr fanden, und daher an jene verteilt werden sollten, die eine weitergehende Verwendung dafür haben. Die Menschen konnten sich unter dem Motto „Nimm eins, zahl keins!“ einen Gegenstand aussuchen, dieser wurde dann verpackt und verschenkt. Wir möchten damit auf die Wiederverwendbarkeit von materiellen Dingen aufmerksam machen, und einen Gegenentwurf zum Nur-Neu-ist-Gut Dogma der Weihnachtsgeschenke vorstellen.

Hintergrund

An diesem traditionellen 1. EINKAUFSSAMSTAG 2014_kaufnixTag_flyerfront wollen wir eine Diskussion über eine andere Art des Wirtschaftens und eine verantwortungsvolle Nutzung von Ressourcen anregen. Es geht uns dabei nicht in erster Linie um einen kompletten Konsumverzicht, sondern darum, dass der Mensch und die Natur über den Interessen einer profitorientierten Wirtschaft zu stehen haben. Die Aktionen sollen zum Nachdenken über das eigene Konsumverhalten mit den damit verbundenen weltweiten Auswirkungen anregen.

Ein bewusstes, ethisch Verhalten beim Einkauf ist allerdings für viele Menschen – obwohl gewünscht – nur schwer oder nicht leistbar. Der häufig beschworenen gesellschaftlich-politischen Mitgestaltung per Einkaufswagen werden durch die Geldbörse klare Grenzen gesetzt. Demokratische Mitbestimmung sieht anders aus. (laut Statistik Austria waren 2013 in Österreich 1.572.000 Menschen armutsgefährdet)

Eine Kaufentscheidung setzt auch Hintergrundwissen über die angebotenen Waren voraus. Dies zeigt sich z.B. bei der Entscheidung für Bio- oder fair gehandelte Produkte. Die Verantwortung über die globalen Konsumfolgen liegt deshalb nicht allein beim/bei der VerbraucherIn, denn beim Konsumieren bleibt häufig nur die Wahl zwischen Pest und Cholera, oder letztlich dem totalen Konsumverzicht, welcher die menschlichen Bedürfnisse auch nicht zufrieden stellt.

Durch das öffentliche Verteilen von “Müll” regen wir zu einer Veränderung weg von der Konsum- und Wegwerfgesellschaft an. Das Wiederverwenden und Reparieren muss wieder billiger und einfacher werden, als das derzeitige Wegwerfen und Neu- produzieren. Dazu braucht es klare politische Rahmenbedingungen und Anreize.

Begriff “Mindesthaltbarkeitsdatum” (auch “Ablaufdatum” genannt) besagt bereits, dass ein Lebensmittel mindestens so lange genießbar ist wie angegeben, und daher nicht automatisch mit diesem Datum schlecht wird und weggeworfen werden muss.